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Unser Betriebsausflug am 4. Juli 2018

Es begann damit, dass Abt Bendikt ins Atelier von Bruder Lukas kam und ihn um ein Bild von der Burg Elz bat, da er mit dem Burgherren freundschaftlich verbunden ist. Es dauerte nicht lang und Bruder Lukas hatte ein wunderschönes Gemälde der tollen Burg gemalt.

Da kam Benedikt, der aus der näheren Umgebung stammt, auf die Idee, ob der Kellerladen nicht seinen Betriebsausflug zusammen mit Lukas, Prior Andreas und ihm selbst zur Burg unternehmen sollte, wg. Essen und Trinken dabei wolle er seine Familie in Treis-Karden an der Mosel ansprechen.

Ein unwiderstehliches Angebot für die Kellerladen-MitarbeiterInnen, ein Termin wurde schnell gefunden, das dauert sonst Monate! Lia besorgte den grossen Bus von Delhasse und pünktlich um 7 Uhr morgens stand der nette Fahrer Ingo damit an der Alzeyerstrasse. 25 Leute stiegen ein, besonders schön diesmal, dass auch die Helferinnen der Essensausgabe und mit Emad ein 28jähriger Flüchtling (über Jens und Bianca vom Jugendbüro) dabei war. Er ist gelernter Ingenieur aus Alexandria in Ägypten und hatte noch nie eine Burg gesehen.

Die Mitarbeiter aus unseren Kellern bzw. Waggon waren fast vollzählig dabei, unser Engel Sabine, Brigitte, Andy und Fredi vom neuen Vorstand und mit Oswald, Peter und Biggi gestandene Gründungsmitglieder des Kellerladens.

Bei bestem Wetter -in diesem Fall: etwas bewölkt und nicht zu heiss- erreichten wir Maria Laach, wo sich die Freundschaft von Kloster und Kölner Verein darin zeigte, dass die Begrüssung viele Umarmungen mit Lukas, Bendikt und Prior Andreas mit sich brachte, schon da war klar, der Tag würde gelingen. Dabei ging das Programm ja erst los! Das kannte allerdings nur Benedikt, das sorgte aber niemanden, da alle wussten, dass die Organisation bei ihm in besten Händen lag.

Als wir den Parkplatz der Burg erreichten, war es noch früh genug, ohne viel Tourismus zur Burg zu wandern, für Lukas und einige stand der Shuttle-Bus zur Verfügung, da der Weg extrem steil und schwer zu gehen ist. Henry trug das von Lukas gemalte Bild, das Benedikt leider nicht dem Grafen Elz persönlich überreichen konnte, da dieser kurzfristig verhindert war.

Eine nette junge Studentin übernahm dann die Führung durch diese tolle Burg, die im 12. Jahrhundert entstand und nie ernsthaft in Kämpfe verwickelt war. An was die damaligen Burgherren alles gedacht hatten, wie wunderbar kunstvoll und trotzdem funktional alles eingerichtet war. Wie voll die Wände mit Kunstschätzen (darunter ein echter Cranach d.Ä.) : Man zeigte, was man hatte. Für eine friedliche Burg gab es viel Waffen, von der Hellebarde bis zur Pistole und jahrhundertealten Gewehren und Minikanonen. In der Schatzkammer eine Handwerkskunst, die heute kaum mehr nachgemacht werden kann. Dabei überall Zeugnisse eines tiefen Glaubens bis hin zum Altar gegenüber des Himmelbetts.

Hunger!

Nach so viel Mittelalter und Natur ging es dann mit Ingo nach Treis-Karden durch die wunderschöne sommerliche Eifel. Benedikts Schwestern und Schwägerinnen hatten vor dem haus und mitten im 1500 Seelen-Dorf reichlich und sehr liebevoll eine deftige Brotzeit vorbereitet, die Männer hatten ebenso reichlich Getränke aller Art besorgt und schön im Garagen-Kühlschrank deponiert, nach Kölner Art wurde aus diesem Angebot schnell Selbstbedienung.

Nach dieser ersten Stärkung ging es teils mit Auto teils zu Fuss hoch zur Zilles-Kapelle direkt über der Mosel. Auch sie entstand schon vor 800 Jahren und spielt bis heute eine grosse Rolle bei der Heilung Schwerkranker, viele Dankesschilder im Inneren bezeugen dies: Maria hat geholfen.

Zurück durch steile Weinberge ging es zu Kaffee und Kuchen, Benedikts Familie war bei allem von uns erzeugten Durcheinander freundlich und entspannt, sie erzählten von ihrem Leben, das ja doch trotz aller Arbeit beschaulicher ist als in der Großstadt. Vielleicht können wir uns davon eine Scheibe abschneiden.

Apropo Scheibe, kaum war der selbstgebackene Kuchen genossen, wurde das Abendbrot aufgetischt : Fleischkäse umd jede Menge toller Salate. Die entspannte, gesellige Stimmung zeigte sich in vielen offenen Gesprächen in immer neuen Konstellationen und wurde auch durch einsetzenden Regen nicht getrübt, alle packten an und nach zwei Minuten saßen alle in der geräumigen Garage. Lukas ergriff das Wort um eine Herzensangelegenheit anzusprechen, zu der sich alle Anwesenden schon einmal Gedanken gemacht haben:

Wie kann die wunderbare – für aussenstehende vielleicht auch wunderliche – Zusammenarbeit zwischen dem Kloster Maria Laach und dem Kölner Kellerladen gefestigt, wie kann dazu ein Rahmen geschaffen werden, so dass die tollen Begegnungen weniger zufällig sind und nicht nur an Lukas gekoppelt sind? Es gibt ja schon vieles: die Besuche der Brüder in Bilderstöckchen, unsere Osttransporte, an denen sich mehrere Brüder engagieren, die Kölner Unterstützung bei der Apfelernte oder durch einige handwerkliche Aktionen. Prior Andreas schlug vor, dass sich 2x im Jahr eine Gruppe in Köln und Maria Laach trifft, die Ideen entwickelt, abstimmt und umsetzt. Für uns vom Kellerladen werden wir auch überlegen, ob daraus Angebote auch für unsere Kölner Jugendlichen attraktiv gestaltet werden können- erste Ideen wurden angedacht. Lukas Frage berührte alle, mehrfach wollte er einen Schlusstrich ziehen, damit das Projekt nicht zerredet würde. Doch das passierte nicht, die Konzentration blieb hoch, immer neue ermutigende Ideen, und nur der wg. der Busrückgabe notwendige Abschied besiegelte den Tag der Freundschaft.

Ein grosses Dankeschön wurde von allen an die Eifeler Gastgeber ausgesprochen, verbunden mit Einladungen nach Laach und Köln, sowie ein Abschied nach kurzer Fahrt von den im Bus mitfahrenden Brüdern in Laach, der sogar noch herzlicher war als die Begrüßung am Morgen.

Kurz nach 20 Uhr setzte uns Ingo nach sicherer Fahrt in Bilderstöckchen ab: zwar müde, aber entspannt und dankbar für einen aussergewöhnlichen Tag.

So war’s beim Markt der Möglichkeiten

Unser Einsatz beim inzwischen 16. „Markt der Möglichkeiten“ im Altenberger Hof hat sich gelohnt: Anke, Bianca, Jens, Jochen und Lia waren vor Ort und haben die Kurzform unseres Komptenzchecks bei Jugendlichen, Firmen und Veranstaltern vorgestellt und Werbung für den Kellerladen gemacht, Jugendliche zu Ausstellern begleitet und neue Chancen für sie eröffnet. Schön war, dass viele Jugendliche dorthin gekommen sind, die zuvor schon im Jugendbüro beraten wurden. Sie haben sich auf der Messe weiter informiert, ein Zeichen für uns, dass sie wirklich etwas erreichen wollen.

Foto: Jens Hölmer

Artikel KStA zur Biografie von Bruder Lukas vom 1.Mai 2018

Immer im Einsatz gegen Ungerechtigkeit
Bruder Lukas (Mitte) stellte in der Bücherei an Sankt Franziskus seine Autobiografie vor. Lydia und Winfried Ohlerth haben sie gemeinsam mit ihm produziert. (Schöneck)

BÜCHEREI Benediktinermönch Bruder Lukas liest aus seinen Memoiren – Bereits in zweiter Auflage auf dem Markt

Bilderstöckchen. Der Einsatz für sozial Benachteiligte, der Widerstand gegen Ungerechtigkeit, der Glaube und die Kunst – das ist der rote Faden, der sich durch das Leben von Bruder Lukas, Benediktinermönch aus Maria Laach und Sozialarbeiter im Bilderstöckchen, zieht. „Man kann sich das Wissen über Armut nicht aneignen, man muss selbst arm sein. Ich bin zu den Menschen im Bilderstöckchen gegangen, weil ich selbst arm war. So kam das damals“, verriet er bei der Lesung seiner Memoiren in der Katholischen Öffentlichen Bücherei von St. Franziskus.

Nach der Premierenlesung in der Abtei Maria Laach stellte er mit Lydia und Winfried Ohlerth seine Autobiografie nun auch in Bilderstöckchen, seiner zweiten Wahlheimat, vor. Rund 20 Besucher erlebten eine sehr persönliche Begegnung mit dem außergewöhnlichen Menschen, der im Juli seinen 90. Geburtstag feiert. „Wir haben uns im vergangenen Jahr häufiger getroffen, um das Buch durchzusprechen“, erläuterte Winfried Ohlerth. Hiervon ist nun schon die zweite Auflage auf dem Markt.

„Er ist Zeitzeuge des Zweiten Weltkrieges“, unterstrich Ohlerth. Als Alfred Ruegemer 1928 in Berlin geboren – den Namen Lukas nahm er erst im Kloster an -, erlebte er als Jugendlicher die NS-Zeit mit, und ihre Wirkung bis in die eigene Familie hinein, die in ihrer Weltanschauung gespalten war. „Es wurde bei uns so gut wie nie über Politik gesprochen. Mein Vater trat früh in die NSDAP ein, aber redete nie über seine Gründe, auch nach dem Krieg nicht“, erläuterte Bruder Lukas. „Meine Mutter hingegen war das genaue Gegenteil eines Nazis.“ Sie lehnte das Regime entschieden ab und beherbergte sogar konspirative Treffs von Hitler-Gegnern. „Sie setzte sich einmal extra auf eine gelbe Parkbank, die Juden vorbehalten war. Als ich sie darauf ansprach, sagte sie: Geht weiter, das hier ist meine Sache.“ Als sein Vater ihm die NS-Eliteschule von Sonthofen im Allgäu zeigte und ihn dorthin schicken wollte, meinte die Mutter: „Das ist nichts für ihn.“ Und damit war das Thema erledigt.

Der menschenverachtende Charakter des NS-Regimes sei früh sichtbar gewesen, wenn man es denn erkennen wollte. „Geschickt wurden die Demütigungen der Juden in kleinen Portionen verabreicht, so dass die Bevölkerung sich daran gewöhnte“, schilderte er, sich an die immer stärkeren Schikanen und Verbote erinnernd – wie die Diskriminierung durch eigene Parkbänke, der Stehzwang in Bussen und Bahnen sowie das Kino- und Theaterverbot. „Am Schluss stand dann die sogenannte Endlösung.“ Er selbst überlebte nur mit äußerstem Glück ein Bombardement, in dessen Zentrum er sich als Flugabwehr-Helfer mit einem Freund befand.

Nach dem Krieg, als er ein Studium an der Berliner Kunstakademie aufgenommen hatte, begann seine Hinwendung zum religiösen Orden, in den er 1951 eintrat. „Jesus war aus Liebe zu uns gestorben – das war eine ganz andere Lehre als die, die ich vorher kennengelernt hatte“, bilanzierte er. Der damalige Abt Urbanus war zu seinem Glück selbst der Kunst sehr zugetan; er ermöglichte Bruder Lukas, bei den Benediktinern weiter als Maler tätig zu sein; später bezog er im Kloster sogar ein eigenes Atelier.

Mitte der 1960er-Jahre jedoch entwickelte sich seine größte Berufung: Für zunächst 14 Tage betreute er eine Kinder-Ferienfreizeit im Springborn – einer Obdachlosen-Siedlung zwischen Mülheim und Höhenhaus -, doch daraus wurden schließlich Jahre. 1972 wechselte er nach Bilderstöckchen, wo er das Jugendzentrum „Lucky’s Haus“ mit aufbaute. „Ich war begeistert von den Jugendlichen. Das waren Straßenjungen, aber Persönlichkeiten, mit denen es Spaß machen würde, zusammen zu sein“, erinnert er sich. Mit den Mitstreitern des „Kellerladens“ an der Alzeyer Straße, den er in den Achtzigern begründete, organisiert er bis heute Hilfstransporte nach Osteuropa – vor der Wendezeit nach Polen, dann in die Ukraine sowie zur slowakischen Roma-Siedlung Habesch, wo sie „Hilfe zur Selbsthilfe“ leisten und mit den Bewohnern auch eine Kapelle errichteten.

„Dass mein Leben so verlaufen ist, wie es ist, habe ich im Wesentlichen meiner Mutter zu verdanken. Und natürlich unserem früheren Abt Urbanus“, bilanzierte Bruder Lukas. Auch die Gäste zeigten sich beeindruckt vom Leben und Wirken des nimmermüden Ordensmanns. „Es ist ein Stück Geschichte, die zwischen zwei Buchdeckeln bewahrt wird“, so Lydia Ohlerth. Neben vielen Fotos aus dem Archiv von Bruder Lukas sind, als Hilfe für jüngere Leser, auch farblich abgesetzte, geschichtliche Hintergründe eingestreut, mit denen die Schilderungen besser nachvollziehbar sind. Das Buch „Bruder Lukas Ruegenberg: Mönch, Maler, Sozialarbeiter“ aus Ohlerths „Edition Kalk“ ist für 14,90 Euro erhältlich.